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Samstag, 9. Mai 2009

Vorratsdatenspeicherung in Deutschland

(Hier nun der nächste Teil meines Textes zur Vorratsdatenspeicherung...)

In Deutschland wurde die europäische Richtlinie durch das „Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtlinie 2006/24/EG“ in nationales Recht umgewandelt.1 In diesem Gesetz wurden zahlreiche Änderungen und Erweiterungen an bereits bestehenden Gesetzen vorgenommen. So wurden etwa in der Strafprozessordnung (StPO) mit den neu eingeführten Paragraphen 100a, b und STPO die Überwachung und Anordnung der Telekommunikationsüberwachung, sowie in § 100g StPO die Erhebung von Verkehrsdaten geregelt.2 Zentrale Regelungen bezüglich der zu speichernden Daten sind die ebenfalls im Rahmen dieses Gesetzes eingeführten §§ 113a und b des Telekommunikationsgesetzes (TKG), in denen die genauen Parameter des Speicherumfangs festgelegt wurden.

Im Parlament wurde das „Gesetz zur Neuregelung der Telekommunikations-überwachung und anderer verdeckter Ermittlungsmaßnahmen sowie zur Umsetzung der Richtline 2006/24/EG“ im Dezember 2007 mit den Stimmen der regierenden großen Koalition beschlossen und am 31.12. im Bundesgesetzblatt veröffentlicht.3 Wie bereits bei der Verabschiedung der europäischen Richtlinie gab es auch hier teilweise massive Bedenken bezüglich der Rechtmäßigkeit des Rechtsaktes, so dass etwa 26 Abgeordnete der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die aus fraktionsdisziplinären Gründen für das Gesetz stimmten, eine Erklärung veröffentlichten, in der sie Gründe für ihr Abstimmungsverhalten formulierten:4


"Eine Zustimmung ist auch deshalb vertretbar, weil davon auszugehen ist, dass in absehbarer Zeit eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts möglicherweise verfassungswidrige Bestandteile für unwirksam erklären wird. [...]"
-Erklärung der 26 SPD-Abgeordneten

Die Vorratsdatenspeicherung begann mit Inkrafttreten des Gesetzes am 1.1.2008 im Bereich der Mobilfunk -und Telefondienste, während es für Internetanbieter wegen Schwierigkeiten in der zeitnahen Umsetzung der Normen Übergangsregelungen gab, gemäß denen die Vorratsdatenspeicherung durch Internetdienste zum 1.1.2009 begonnen wurde.

Am 20.12.2007 und 31.12.2007 reichten sowohl der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung (Ak Vorrat), als auch eine Gruppe von Mitgliedern der FDP-Bundestagsfraktion um den Abgeordneten Burkhard Hirsch Verfassungsbeschwerden gegen die Vorratsdatenspeicherung beim Bundes-verfassungsgericht ein.5 Der Ak Vorrat konnte weiterhin mittels Eilanträgen im März und Oktober 2008 eine Einschränkung der VDS durch einstweilige Anordnungen des Bundesverfassungsgerichts erreichen, während die Bundesregierung im Januar 2009 eine Stellungsnahme veröffentlichte, in der sie die Zuständigkeit des BVerfGs verneinte und behauptete, dass aufgrund des inzwischen erreichten Maßes an Integration allein der EuGH zuständig sei.6

1 Bundesgesetzblatt, Teil 1 Nr. 70, (VDSG)

2 StPO

3 VDSG

5 Spiegel-Online: Eilantrag in Karlsruhe

Vorratsdatenspeicherung in der EU

Hier nun der erste inhaltliche Teil meiner Abhandlung über die Vorratsdatenspeicherung...

Die erste Initiative zur Vorratsdatenspeicherung (VDS) entstand im Jahre 2002, als mit der Richtlinie 2002/58/EG „über die Verarbeitung personenbezogener Daten und den Schutz der Privatsphäre in der elektronischen Kommunikation“(I) in der Folge der Anschläge vom 11. September 2001 erstmals auf europäischer Ebene solche Eingriffe diskutiert und schließlich unter der spanischen Ratspräsidentschaft im Juni 2002 verabschiedet wurde(II).

Während diese Richtlinie primär einen marktbezogenen Impetus hatte und die Speicherung von Daten für die Strafverfolgung eher ein Nebenaspekt der generellen Datenschutzintention war, wurden die hierauf aufbauenden, weiterführenden Regelungen als Rahmenbeschlüsse im Bereich der europäischen polizeilich - justiziellen Zusammenarbeit diskutiert.(III) Erneute Aktualität bekam die präventive Speicherung von Nutzerdaten im Kontext der terroristischen Anschläge von Madrid, am 11.3.2004, und London, am 7.7.2005.


In dem Prozess, der schließlich zur Verabschiedung der Richtlinie 2006/24/EG führte, wurde bereits im Jahr 2004 von den Staaten Frankreich, Irland, Schweden und dem Vereinigten Königreich ein Entwurf zu einem Rahmenbeschluss bezüglich der Speicherung elektronischer Daten für die Zwecke der Strafverfolgung vorgelegt.(IV) Die in dieser Zeit aufflammende Diskussion des Themas auf nationaler wie internationaler Ebene, sowie der heftige Protest des Europäischen Parlamentes,(V) das im Verfahren zur Verabschiedung eines Rahmenbeschlusses nach Art. 39, Abs. I EU vom Rat lediglich anzuhören ist, führten dazu, dass das Vorhaben als europäische Richtlinie 2006/24/EG im Februar 2006 verabschiedet wurde.(VI) Dem gingen zwar zahlreiche Änderungen und Debatten voraus, doch schließlich wurden bereits vom Parlament eingebrachte Veränderungen des ursprünglichen Richtlinienentwurfs durch erneute Änderungsanträge der größten Fraktionen – auf Druck der britischen Ratspräsidentschaft hin(VII) – rückgängig gemacht. In der Folge wurde die Richtlinie in genau der Form verabschiedet, die vom Rat ursprünglich beabsichtigt war.(VIII)


Als einer von zwei Mitgliedsstaaten der EU, die im Verfahren gegen die Vorratsdatenspeicherung votiert hatten, erhob die Republik Irland im Mai 2006 eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. Entgegen der 2005 bereits ausführlich geführten Debatte, wurde diese jedoch nicht – wie vielleicht zu erwarten gewesen wäre – gegen eine Verletzung der in der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) garantierten Rechte erhoben. Vielmehr zielte diese Klage auf das formelle Zustandekommen des Rechtsaktes ab, da nach Meinung Irlands ein derartiger Beschluss mit eindeutigem Ziel der Schaffung neuer Rechtsinstrumente auf europäischer Ebene im Bereich der polizeilich-justiziellen Zusammenarbeit läge, und damit – wie ursprünglich geplant – als Rahmenbeschluss gemäß der Artikel 29 – 42 EU und nicht, wie geschehen, als marktbezogene Richtlinie im Sinne des Artikel 249 – 254 EG auf Grundlage des Art. 95 EG hätte verabschiedet werden sollen.(IX)

Dieser Argumentation konnte der EuGH jedoch nicht folgen. Wie bereits in einer Stellungsnahme von der zuständigen Generalanwältin im Oktober 2008(X) angeraten, wies das Gericht die Klage am 10.2.2009 ab.(XI) In der Begründung hieß es, dass die Regelung zur Vorratsdatenspeicherung zurecht als Richtlinie zur Harmonisierung der Märkte verabschiedet worden sei, da bereits einige europäische Mitgliedsstaaten entsprechende nationale Normen mit umfangreichen Folgen für die jeweiligen nationalen Märkte haben und diesen ein gemeinsamer Standard zugrunde zu legen sei.(XII) Geringer falle demgegenüber ins Gewicht, dass für die Mitgliedsstaaten, die bisher keinerlei Regelung zur Vorrats-datenspeicherung hatten, ein Zwang zur Einführung einer ebensolchen entstehe.


Eine Klage gegen die Verletzung der in der EMRK verankerten Rechte durch die VDS ist jedoch weiterhin möglich.


Fußnoten:

I verfügbar hier

II vgl. hier

III etwa hier

IV verfügbar unter: http://www.statewatch.org

VI verfügbar unter: http://eur-lex.europa.eu

VIII ebenda

X Stellungnahme verfügbar unter: curia.europa.eu

XII ebenda

Projekt: Vorratsdatenspeicherung

Ich habe vor einiger Zeit mal ein paar Seiten verfasst, die sich mit der aktuellen (Rechts-)Lage im Bereich der Vorratsdatenspeicherung auseinander setzen, bzw. einen Überblick darüber bieten sollen. Da ich keinen Sinn darin sehe, sie auf der Festplatte verotten zu lassen, werde ich sie hier sukzessive posten, auf dass es dem Schwarmbewusstsein etwas bringe... Für den Anfang erstmal die (gekürzte) Einleitung samt Gliederung...


Umfang und Grenzen der Vorratsdatenspeicherung (Moritz Borchardt)

„Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern, seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen. Den Polizei- oder Überwachungsstaat wollen wir nicht.“
- Ernst Benda, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts


Die Gefahr, die der Bundesinnenminister a. D. und ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Ernst Benda anspricht, ist die des Überwachungsstaates und damit verbunden auch des sogenannten 'Gläsernen Bürgers'. Die diesen beiden Schlagworten zugrunde liegende Kritik basiert auf der Furcht vor etwaigen Eingriffen in die (digitale) Intimsphäre der Menschen durch den Staat. Mit Inkrafttreten der sogenannten Vorratsdatenspeicherung sind diese Eingriffe um ein Wesentliches näher gerückt, da mit den 2007 verabschiedeten Rechtsgrundlagen zur Vorratsdatenspeicherung und den darauf verweisenden Normen Rechtsvehikel geschaffen wurden, die es erlauben im Rahmen der Verfolgung von Internetkriminalität Daten zu verwenden, deren bloße Speicherung von Vielen als grundrechtswidrig angesehen wird.

Die Gliederung wird dabei wie folgt aussehen:

1. Vorratsdatenspeicherung in der EU

2. Vorratsdatenspeicherung in Deutschland


- Inhalt und Umfang der Speicherung von Daten

- Kritik an der Vorratsdatenspeicherung

- Neuere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts

3. Resümee und Ausblick

... Star Wars zum Wochenende



Es gibt da draußen ja tausende SW-Zusammenschnitte, aber dashier ist wirklich mal einer der funktioniert und doch nichts mehr sein will, als ein schlichtes Tribute.

Freitag, 8. Mai 2009

Individualisten im Schwarmbewusstsein

Was ich in ergänzung meiner Gedanken zu Jens Scholzens Artikel noch für einen theoretisch ganz interessanten Gedanken halte ist der des Schwarmbewusstseins.

Zugegeben, ich bin Individualist, ich mochte was besonderes sein, weswegen mir der Gedanke an ein (Borg-)Gedankenkollektiv ein gewisses Grausen bereitet, aber das nur vorneweg. Das witzige ist, dass in der heutigen Gesellschaft jeder Eineinhalbte bis Zweite Individualist ist, oder es am liebsten sein möchte, um seinen persönlichen intravaganten Lebensplan auszuführen (UND ALLE SOLLEN ES SEHEN!). Wie schrecklich normal und un-besonders das Ergebnis all unserer Selbstdarstellung und Extravaganz ist, ist eine weitere große Ironie des Spagetti-Monsters.

Aber zur Schwarmintelligenz...
Was wir im Moment im Web haben, und was sich in zukunft definitiv noch weiter entwickeln wird, ist der Zustand, dass durch Twitter, Feed-Reader, Facebook & Co. KG eine Unmenge an Informationen (mal mehr, mal weniger, mal garnicht relevant) im Bruchteil von Sekunden verfügbar sein kann und so die zentrale Frage nicht mehr die ist, wo ich welche Information finden kann und was wer zu welchem Thema geschrieben hat. Inzwischen sind genau zwei Fragen zentral geworden: Wieviel Zeit habe ich? und Auf (die Erlangung) welche(-r) Informationen aus dem globalen Gedankenstrom ('global stream of consciousness', vgl. Phillipp Müller)verwende ich sie? Und genau das dürfte eine implizite Definition des Begriffes 'Schwarmbewusstsein' (im Web Ende der 00er-Jahre) sein. Klingt irgendwie sehr nach der ungeliebten Nutzenmaximierung unserer Freunde aus der Wirtschaft, aber wenns doch stimmt...

Replik: Politiker, Journalisten ... (Jens Scholz)

Ich könnte hier jetzt über eine verrückte Woche, Atheisten in der Kirche, psychosomatische Magenprobleme und leckeren (9-)Kräutertee reden, dann endlich mal anfangen nicht nur via copy-paste zu bloggen in dem ich eine Rubrik wie 'es denkt' aufmache, aber stattdessen gibt es wie so oft nur einen Link zu Jens Scholz, der sich mal wieder sehr treffend seine Gedanken macht. Diesmal geht es um die Rolle von Blogs, Journalisten und bösem Politikern.

Der Artikel ist wirklich gut, auch wenn ich ihm in einem zentralen Punkt zumindest skeptisch gegenüberstehe.
Das Politiker-Bashing ist mir - mit Verlaub - zu platt. Das Internet, bzw. die Web-Szene ist im wesentlichen von den Millenials und Leuten bevölkert, die meist nicht mehr als 40 Lenze auf dem Buckel haben. Das sind/ist genau die Generation/-en, die das Web aufgebaut, bzw. es in seinem Werdegang begleitet haben (und das aufgrund eines damals noch ungewöhnlichen Interesse an IT), oder es im Falle von uns Millenials bereits vorgefunden und ganz selbstverständlich in den Alltag mit aufgenommen wurde (egal, ob wir ein spezielleres Interesse an der Technik dahinter haben). Für 'Uns' ist das Web also entweder ein selbstverständlicher Teil des Alltags, oder ein heißgeliebtes Hobby/Beruf (gewesen), was aber sowohl für die Politiker, als auch ihre Stäbe nicht, bzw. nur bedingt zutrifft.
Die aktuellen Politiker sind entweder einer Generation angehörig, für die diese Art von Technik etwas schlicht Unbekanntes gewesen und geblieben ist, von dem sie aber erwartet werden, es in einem gewissen Rahmen zu nutzen (naja ok, selbst das ist wohl fraglich, es gibt ja den Stab) es ihnen aber - mit wenigen Ausnahmen, etwa Tauss - letzten endes unverständlich geblieben ist. Jüngere Politiker mögen zwar in einem gewissen Maße mit dem Web in Verbindung gekommen sein, sie sind aber entweder noch in den Startlöchern der politischen Karriere, oder haben aber soviel Zeit auf ebenjene verbracht, dass sie die aktuelle und zukünftige Bedeutung des Webs - und damit verbunden der Bedeutung von Netzpolitik - im seltensten Falle angemessen hoch einschätzen.
Den ehesten Vorwurf kann man (zugegeben, neben Politikern aus den Generationen X und Y) den Stäben machen, da es ja gerade ihr Job ist die Politiker über wesentliche Vorgänge in der Gesellschaft auf dem Laufenden zu halten und dementsprechend diese auch (richtig!) zu beurteilen. Oben genanntes mag zwar auch auf die Stäbe zutreffen, aber a) We got to blame someone! und b) wie gesagt, es ist ihr Job genau das zu leisten, wozu sich die 'traditionellen Medien' zu fein und der Rest scheinbar nicht in der Lage ist: die Politiker, und damit den politischen Diskurs, auf dem neuesten Stand zu halten, punkt.

Samstag, 25. April 2009

Verdunkelung!

Am Mittwoch wurde von unserem lieben fast-noch-prä-Wahlkampf-Bundestag ja die so lange diskutierte (und von vielen aus der Welt gewünschte) Gesetzesentwurf zur Internetzensur verabschiedet. Zu dem Thema hat Jens Scholz einen sehr treffenden Artikel verfasst, den er ausdrücklich zum copy-paste-en bereitstell und der weiter unten zufinden ist. Das geniale an der Sache ist noch, dass vor etwas längerer Zeit sich noch SPD-Politiker über Ähnliches im Ausland mokiert haben, wie in einem der Kommentare zum Thema (irgendwie unauffindbar) zu lesen ist. Ansonsten brauch man die ganze Angelegenheit nicht weiter zu kommentieren, da man mit vernunftbegabtem Nachdenken, meiner Meinung nach, zwangsläufig auf der Seite der Zensurgegner rauskommt. Jetzt hab ichs doch kommentiert, na sowas aber auch...

Hier
noch ein schöner Artikel über die Reaktionen im Netz zu besagtem Unheil.


JENS SCHOLZ: Wenn es um Zensur geht

"Da reiben sich gerade so viele die Hände, daß man eigendlich ein beständiges Rauschen hören müsste. Die Idee, das Thema Kinderpornografie als Popanz vorzuschicken, um das nun geplante Internet-Zensursystem einzuführen war aber auch wirklich eine richtig gute. Hat das ja zuvor mit den Themen Terrorismus und Internet-Kriminalität nicht wirklich hingehauen, kann man hier spitzenmäßig mit dem Holzhammer wedeln und Kritiker einfachst diffamieren, indem man die eigentliche Kritik ignoriert und ihnen vorwirft, sie wollten die Verbreitung von Kinderpornografie schützen. Wie schnell schon der Vorwurf zum beruflichen und gesellschaftlichen Tod führen kann, zeigte man nur wenige Wochen zuvor ja schonmal anschaulich am Exempel Tauss (der übrigens natürlich nicht im Netz "erwischt" wurde, sondern über Handykontakte und DVDs per Post).
Aber ich schweife schon wieder - wie es durch die Wahl dieses Themas ja auch gewünscht ist - ab.
Denn das Problem, das die Kritiker haben, ist ja natürlich nicht, daß man den Zugang zu Kinderpornografie sperren will, sondern das Sperrinstrumentarium, das man dazu baut. Schaut man sich das an, merkt man schnell: Es geht nicht um Kinderpornos und wie man dagegen vorgeht. Ging es nie.
Es geht um die Installation eines generellen technischen Systems und die generelle Art und Weise, wie es betrieben wird: Es geht darum, daß eine waschechte, diesen Namen zu Recht tragende, Zensur ermöglicht wird. Auch wenn die zunächst gesperrten Websites tatsächlich nur Kinderpornografie beinhalten (was die Liste eigentlich extrem kurz halten müsste) wäre sowohl die Technik, die Verwaltung und sogar die Psychologie installiert, um sofort eine effektive Zensur betreiben zu können.

Technik
Die Provider sollen ihre Nameserver so umbauen, daß Webseiten, die das BKA aussucht und ihnen nennt, nicht erreichbar sind und dem Nutzer bei Aufruf stattdessen eine Sperrseite angezeigt wird. Gleichzeitig soll das BKA jederzeit abrufen könne, welche Nutzer auf Webseiten aus dieser Liste zugreifen wollten und stattdessen auf die Sperrseite geleitet wurden.
Ein normaler Internetnutzer, der seinen Nameserver nicht auf einen freien DNS-Server umstellt, sieht bestimmte Seiten nicht und erhält die Mitteilung, er wolle sich gerade Kinderpornografie ansehen. Ob das stimmt, weiß er nicht und nachprüfen darf er das auch nicht, da ja schon die Suche nach Kinderpornografie strafbar ist. Der Nutzer muss sich in diesem Moment weiterhin im Klaren sein, daß er gerade etwas getan hat, was das BKA als illegal ansieht und als Grund ansehen kann, gegen ihn vorzugehen.
Die allein schon technisch verursachten Risiken für jeden Internetnutzer sind immens, noch dazu, weil man damit auch noch eine perfide Beweisumkehr eingebaut hat: Sie müssen künftig ihre Unschuld beweisen, z.B. daß sie "versehentlich" die gesperrte Seite angesteuert haben. Viel Spaß beim Versuch, Richtern TinyUrls, iFrames, Rootkitangriffe, Hidden Scripting und so weiter zu erklären, wenn Sie überhaupt wissen, was das ist.
Die Lösung zunächst: Den Nameserver umstellen, um sich dieser Gefahr vollständig zu entziehen. Geht schnell und kann jeder.
Die Technik ist allerdings interessanterweise das kleinste Problem in dieser ganzen Geschichte. Es gibt Staaten, die in ihren Zensurbemühungen schon wesentlich weiter sind. Die Menschen dort können dennoch sowohl anonym als auch unzensiert das Internet benutzen. Das Internet ist von Nerds gebaut worden. Ein Staat kann da so viel fordern wie er will, er wird das Netz auf technischer Ebene never ever kontrollieren können.

Verwaltung
Hier liegen die springende Punkte, die das Ganze zum Zensurinstrument machen:
1. Die gesperrten Inhalte stehen auf einer Liste, die das BKA direkt und ohne Prüfungsinstanz erstellt und die die Provider möglichst ohne sie anzuschauen zu installieren haben. Es entscheidet kein Richter über den Inhalt, es überprüft keine unabhängige Institution über die Rechtmäßigkeit, es gibt keine Regelung, wie Adressen überhaupt wieder von der Liste gelöscht werden könnten. Die Polizei, die Verbrecher verfolgt, bestimmt, welcher Wunsch nach welcher Information ein Verbrechen ist. Vorab zu definieren, was ein Verbrechen ist und hinterher darüber zu entscheiden, ob ein Verbrechen begangen wurde ist aber nicht Aufgabe der Polizei.
2. Die Liste ist geheim. So lange diese Liste nicht in die Öffentlichkeit gerät kann alles drinstehen und nichts davon muss gerechtfertigt werden. Wer das in Frage stellt wird zum Verdächtigen. Wie Zensur in Reinform eben funktioniert.
3. Der Gesetzentwurf ist schwammig genug, daß das BKA im Prinzip alles in die Liste setzen kann. Da im Web jeder Inhalt nur einen Klick weiter vom letzten entfernt ist und das Gesetz möchte, daß auch "mittelbare" Seiten gesperrt werden können, kann somit de facto auch jede Seite gesperrt werden.
4. Das System soll die direkte Verfolgung von Zugriffen erlauben. es wird nicht nur gesperrt, sondern es kann auch nachgeschaut werden, wer sich die gesperrten Seiten ansehen will. Dies kann dann Anlass für verdeckte Überwachungen, Hausdurchsuchungen und andere existenzbedrohende Vorgänge sein.
Die Staatsanwälte dieses Landes üben ja seit einiger Zeit kräftig an der Vorverurteilungsfront, indem Sie inzwischen gerne mal Pressemitteilungen über eingeleitete Verfahren rausgeben und die Presse direkt zu möglichst spektakulär und öffentlichkeitswirksam inszenierten Verhaftungen mitnehmen (Zumwinkel, Tauss, Frau B.).

Psychologie
Womit wir schon beim gewünschten Effekt von Zensur sind: Die Einführung der Schere im Kopf. Die wirksame Selbstzensur, weil man nicht weiß, was eventuell passiert, wenn man zu laut und deutlich Kritik äußert. Die Geheimhaltung der Sperrliste und ihre völlige Unverbindlichkeit durch das Fehlen jeglicher Kontolle ist ein bewußt eingesetzes Instrument, um Verunsicherung zu erzeugen.
Ein anderes ist die Verknüpfung mit dem Thema Kinderpornografie, womit wir wieder am Beginn dieses Artikels wären. Man weiß ja inzwischen, daß auch nur der leiseste Ruch, man könnte eventuell irgendwas mit Kindesmissbrauch und Pädophilen zu tun haben, die Existenz vernichten kann, selbst wenn hinterher rauskommt, daß tatsächlich nichts an den Vorwürfen dran war. Wie nahezu generell nichts rauskommt. Das ist ein so extrem starkes und wirksames Druckmittel, was natürlich beispielsweise ein Herr Gorny sofort erkennt, weil sein Versuch, diese Schere im Kopf einzuführen (durch den Versuch, Filesharing als schreckliches Verbrechen zu diskriminieren), wirkungslos blieb und er sich nun an den besser funktionierenden Trigger dranhängt (indem er Urheberrechtsverletzung mit Kindesmissbrauch gleichsetzt).
Die Justizministerin gibt dann noch Tipps in die richtigen Richtungen, die natürlich prompt reagieren. Überhaupt, das mal ganz nebenbei, finde ich es immer wieder seltsam, daß Frau Zypries immer wieder als Warnerin vermittelt wird. Dabei war - so sagt sie zumindest - sie es, die den Gesetzentwurf gegenüber dem Vorabvertrag von Frau von der Leyen verschärfen ließ und dieser nun schon den Zugriff auf Stopp-Seiten verfolgen lassen will.

Um die Frage zu beantworten, warum und wann es in einer Gesellschaft überhaupt dazu kommen kann, daß ein Teil davon meint, einen solchen Eingriff vornehmen zu müssen und der andere Teil (zu dem ich u.a. mich zähle) darin ein so massives Unrecht sieht, das es zu bekämpfen gilt, kann man sich bitte den Artikel "Kampf der Kulturen" drüben bei netzpolitik.org durchlesen."

Dienstag, 21. April 2009

De:Bug - Artikel über Popkultur

Das De:Bug-Magazin hat ein wirklich bemerkenswertes Interview zum Thema Popkultur und -diskussion mit einer illustren Schar an Leuten, darunter ein Schriftsteller, ein ehemaliger Techno-DJ, ein A-Blogger und andere veröffentlicht. Sehr lesenswert, sehr sehr lesenswert. Link

Ein ♥ für Blogs

Man will ja auch nicht bei jeder Sache außen vor sein, also hier mein Beitrag zur Ein-♥-für-Blogs-Aktion, aka meine Blogempfehlungen...

1. Nerdcore.de - Naja, äh... Nerdcore halt. Bunt, schräg, nerdy und immer interessant. Meist mit dem WTF-Effekt

2. Kaliban.de - Gunnar Lott schreibt über die verschiedenen Dinge, die ihn so umtreiben. Witzig, bei ernsteren Themen immer relevant und all-wöchentlich mit den Sonntagslinks und der Musik zum Montag

3. Netzpolitik.org - DIE Seite für die politische Seite des Netzes und die das Netz betreffende Politik. Absolut immer lesens, bzw. hörenswert. Zuletzt dieser Artikel zum Thema Zensur, und wie sich deren Kritiker dadurch ins eigene Fleisch schneiden, indem sie argumentieren, dass Web-Zensur nicht funktionieren würde. Klasse.

4. Weissgarnix.de - Tobias Strobl und Frank Lübberding bloggen über die Wirtschaft. Gerade in der aktuellen Zeit sehr relevant, gut geschrieben und schlicht beachtenswert.

5. der-Flix.de - Comiczeichner Flix führt sein Zeichentagebuch. Klasse Humor, klasse Zeichnungen.

6. PhillippMueller.de - Interessanter Blog zur politikwissenschaftlichen Seite vieler laufender Prozesse mit Schwerpunkt auf Network-Society und Public Policy

7. Freedom-to-Tinker.com - ähnlich wie Phillipp Müller, nur von mehr Autoren, wissenschaftlich, aber dennoch wirklichkeitsnah.

8. Fuenf-Filmfreunde.de - Was man so über (nicht unbedingt Mainstream-) Filme wissen kann/sollte. Teilweise sehr subjektiv, aber da sie zu fünft sind, kommt da ne sehr nette Mischung raus.

Soviel zu den wichtigsten. Sonst wären da noch die Bell of Lost Souls zum Thema Warhammer 40k, der Zeichenblog xkcd sowie die immer lesenswerten Fabian Sigismund, Petra Schmitz und Daniel Matschiewski (oder so) zu nennen.

Samstag, 18. April 2009

100 Wingsuits

Spiegel-online hat ja gerade eine Art Best of Vimeo erstellt, dabei haben mir diese beiden Vids besonders gefallen.


BOOMBOX from Ely Kim on Vimeo.

Beim Video BOOMBOX von Ely Kim wird an 100 Orten zu 100 Liedern in 100 Tanzstilen getanzt, wierd aber klasse.


wingsuit base jumping from Ali on Vimeo.

Beim Wingsuit base jumping von Ali wird genau das gemacht, nämlich mit Wingsuits gejumpt. Woooohooooooo!!! *auchwill*

Daily Show Interview mit Jim Cramer

Jon Stewart sich hat vor einigen Wochen den Finanzshow-Master (so es sowas denn gibt) im Interview über die Rolle von Netzwerken (insbesondere CNBC)und Shows im Beginn der Finanzkrise auseinander gesetzt. Wie ich finde eines der besseren Interviews der letzten Zeit. Hier das Drama in drei Akten samt Einleitung...

The Daily Show With Jon StewartM - Th 11p / 10c
Jim Cramer Battle
thedailyshow.com
The Daily Show With Jon StewartM - Th 11p / 10c
Jim Cramer Unedited Interview Pt. 1
thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Economic CrisisPolitical Humor


The Daily Show With Jon StewartM - Th 11p / 10c
Jim Cramer Unedited Interview Pt. 2
thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Economic CrisisPolitical Humor


The Daily Show With Jon StewartM - Th 11p / 10c
Jim Cramer Unedited Interview Pt. 3
thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Economic CrisisPolitical Humor

Noch'n Tipp

Ich bin gerade auf diesen Artikel {link} gestoßen, der berichtet, wie der Hack der Time 100 - online Wahl durch die Damen(?) und Herren von 4chan zustande gekommen ist, der in der letzten Zeit durch die Medien lief. Sehr interessant.

Donnerstag, 16. April 2009

The Onion zum Thema Sex


Study: Children Exposed To Pornography May Expect Sex To Be Enjoyable

... und welche seiner Aspekte durch die Medien falsch transportiert werden. Ich lieg unterm Tisch.

Dienstag, 14. April 2009

England



Channel 4 hat, anscheinend vor etwas längerer Zeit, ein Paar Promis nach ihrem Lieblingsschimpfwort gefragt. Sehr nett, wobei Z. Braff wohl am kreativsten ist.

Mittwoch, 8. April 2009

Kleiner Tipp

Die heutige Folge der Daily Show ist absolut großartig. Es geht um die amerikanische Rezeption von Obamas Europa-Tour und die ehemalige ägyptische 'First Lady', Jehan Saddat wird interviewt. Ganz Groß. Punkt.

Sonntag, 5. April 2009

Doppelmoral unleashed

The Daily Show With Jon StewartM - Th 11p / 10c
Sarah Palin Gender Card
comedycentral.com
Daily Show Full EpisodesEconomic CrisisPolitical Humor


Aus dem letzten US-Wahlkampf, wie so oft von der Daily Show um Jon Stewart. Ganz große Klasse.

Samstag, 28. Februar 2009

Mein erstes Album

1 - Go to http://en.wikipedia.org/wiki/Special:Random
The first random wikipedia article you get is the name of your band.

2 - Go to http://www.quotationspage.com/random.php3
The last four or five words of the very last quote of the page is the title of your first album.

3 - Go to http://www.flickr.com/explore/interesting/7days
Third picture, no matter what it is, will be your album cover.

4 - Use photoshop or similar to put it all together.

5 - Publish somewhere.




- done-

Donnerstag, 5. Februar 2009

Zwischenmeldung

Da ich im Moment sowas von fast überhauptgarkeine Zeit für irgendwelche Weiterverlinkungen von irgendwelchen sehr interessanten/wtf-figen Sachen hab, will ich hier nur nochmal ganz kurz ganz ausdrücklich auf die Abmahnung der Bahn an netzpolitik.org hinweisen, da ebenjenes Blog ein Memo eines Gesprächs zwischen Bahnleuten und welchen der entsprechenden Kontrollbehörde (bin jetzt zu faul das eben du googeln) veröffentlicht hat. Dieses Memo wäre nebenbei bemerkt einer der besten und witzigsten Schmöker der letzten Zeit, wenn es nicht so verflucht ernst wäre.
Immerhin haben sich die Online- und Printmedien inzwischen mit Netzpolitik.org solidarisiert und unterstützen die Kollegen mit viel Publicity. Ganz wunderbar, dieses Interwebz-Community-Krimmens, ganz großartig.

Wollte ich nur mal gesagt haben.

Samstag, 13. Dezember 2008

Gay-O-Meter zum Zweiten

Mein erster Post hier hat sich ja mit dem Gay-O-Meter beschäftigt, damals war ich zu 23% homo, der Rest hetero. Jetzt hab ich nach gut zwei Monaten den Test nochmal gemacht und hab mich auf 33% Schwuppe verbessert/-schlechtert. In zwei Monaten 10%, das hieße nach Adam Riese, dass Mitte 2010 mein Outing ansteht... na da bin ich mal gespannt. Wetten werden angenommen...

In diesem Sinne, WTF???

m.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

Auch mal wieder was gelernt...

Nicht, dass das hier zu ner Moviepilot-Werbeveranstaltung werden soll, aber diese Pseudotests sind doch für den Feierabend gelegentlich ganz gute Unterhaltung...


Zum Max Payne-Check bei der Film-Community moviepilotZu moviepilot - Gute Filme für Kino, DVD & TV