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Sonntag, 10. Mai 2009

Peng, du bist tot! [unbedingt lesen!]

Der Tagesspiegel hat heute einen schlicht großartigen Artikel zum Thema der ganzen vermeintlichen Verbotsverfahren (Paintball, Web-Zensur) veröffentlicht.
Darin wird die ganze Problematik der Verfahren - die der Web-Gemeinschaft schon länger bekannt ist - nochmals deutlich ausgesprochen: Es geht eben nicht um das Verhindern von Kinderpornographie und Amokläufen (die Frage ob zweitere letztlich überhaupt verhindert werden können ist ja eh noch zu beantworten), sondern darum, dass sich der Staat zu einem moralischen Richter über das Richtig und Falsch der privaten Interessen seiner Bürger aufschwingt, was a) dem Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit aus Artikel 2, I GG zentral zuwider steht, b) bei genauem Nachdenken absurd bis lächerlich ist und c) gerade deswegen derart gefährlich ist, dass nur sehr wenige Vergleiche unpassend erscheinen. Und genau deshalb ist es so großartig, dass neben der E-Petition der Webgemeinde inzwischen auch die alteingesessenen Medien wie Zeit, Spiegel, oder eben dem Tagesspiegel, allmählich aufhorchen und mit deutlichen Artikeln wie diesem gegen den praktizierten Wahnsinn anschreiben.


Und weils so schön passt ein Lied, das irgendwie wieder zeitgemäßer geworden ist...

Samstag, 9. Mai 2009

Vorratsdatenspeicherung in der EU

Hier nun der erste inhaltliche Teil meiner Abhandlung über die Vorratsdatenspeicherung...

Die erste Initiative zur Vorratsdatenspeicherung (VDS) entstand im Jahre 2002, als mit der Richtlinie 2002/58/EG „über die Verarbeitung personenbezogener Daten und den Schutz der Privatsphäre in der elektronischen Kommunikation“(I) in der Folge der Anschläge vom 11. September 2001 erstmals auf europäischer Ebene solche Eingriffe diskutiert und schließlich unter der spanischen Ratspräsidentschaft im Juni 2002 verabschiedet wurde(II).

Während diese Richtlinie primär einen marktbezogenen Impetus hatte und die Speicherung von Daten für die Strafverfolgung eher ein Nebenaspekt der generellen Datenschutzintention war, wurden die hierauf aufbauenden, weiterführenden Regelungen als Rahmenbeschlüsse im Bereich der europäischen polizeilich - justiziellen Zusammenarbeit diskutiert.(III) Erneute Aktualität bekam die präventive Speicherung von Nutzerdaten im Kontext der terroristischen Anschläge von Madrid, am 11.3.2004, und London, am 7.7.2005.


In dem Prozess, der schließlich zur Verabschiedung der Richtlinie 2006/24/EG führte, wurde bereits im Jahr 2004 von den Staaten Frankreich, Irland, Schweden und dem Vereinigten Königreich ein Entwurf zu einem Rahmenbeschluss bezüglich der Speicherung elektronischer Daten für die Zwecke der Strafverfolgung vorgelegt.(IV) Die in dieser Zeit aufflammende Diskussion des Themas auf nationaler wie internationaler Ebene, sowie der heftige Protest des Europäischen Parlamentes,(V) das im Verfahren zur Verabschiedung eines Rahmenbeschlusses nach Art. 39, Abs. I EU vom Rat lediglich anzuhören ist, führten dazu, dass das Vorhaben als europäische Richtlinie 2006/24/EG im Februar 2006 verabschiedet wurde.(VI) Dem gingen zwar zahlreiche Änderungen und Debatten voraus, doch schließlich wurden bereits vom Parlament eingebrachte Veränderungen des ursprünglichen Richtlinienentwurfs durch erneute Änderungsanträge der größten Fraktionen – auf Druck der britischen Ratspräsidentschaft hin(VII) – rückgängig gemacht. In der Folge wurde die Richtlinie in genau der Form verabschiedet, die vom Rat ursprünglich beabsichtigt war.(VIII)


Als einer von zwei Mitgliedsstaaten der EU, die im Verfahren gegen die Vorratsdatenspeicherung votiert hatten, erhob die Republik Irland im Mai 2006 eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. Entgegen der 2005 bereits ausführlich geführten Debatte, wurde diese jedoch nicht – wie vielleicht zu erwarten gewesen wäre – gegen eine Verletzung der in der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK) garantierten Rechte erhoben. Vielmehr zielte diese Klage auf das formelle Zustandekommen des Rechtsaktes ab, da nach Meinung Irlands ein derartiger Beschluss mit eindeutigem Ziel der Schaffung neuer Rechtsinstrumente auf europäischer Ebene im Bereich der polizeilich-justiziellen Zusammenarbeit läge, und damit – wie ursprünglich geplant – als Rahmenbeschluss gemäß der Artikel 29 – 42 EU und nicht, wie geschehen, als marktbezogene Richtlinie im Sinne des Artikel 249 – 254 EG auf Grundlage des Art. 95 EG hätte verabschiedet werden sollen.(IX)

Dieser Argumentation konnte der EuGH jedoch nicht folgen. Wie bereits in einer Stellungsnahme von der zuständigen Generalanwältin im Oktober 2008(X) angeraten, wies das Gericht die Klage am 10.2.2009 ab.(XI) In der Begründung hieß es, dass die Regelung zur Vorratsdatenspeicherung zurecht als Richtlinie zur Harmonisierung der Märkte verabschiedet worden sei, da bereits einige europäische Mitgliedsstaaten entsprechende nationale Normen mit umfangreichen Folgen für die jeweiligen nationalen Märkte haben und diesen ein gemeinsamer Standard zugrunde zu legen sei.(XII) Geringer falle demgegenüber ins Gewicht, dass für die Mitgliedsstaaten, die bisher keinerlei Regelung zur Vorrats-datenspeicherung hatten, ein Zwang zur Einführung einer ebensolchen entstehe.


Eine Klage gegen die Verletzung der in der EMRK verankerten Rechte durch die VDS ist jedoch weiterhin möglich.


Fußnoten:

I verfügbar hier

II vgl. hier

III etwa hier

IV verfügbar unter: http://www.statewatch.org

VI verfügbar unter: http://eur-lex.europa.eu

VIII ebenda

X Stellungnahme verfügbar unter: curia.europa.eu

XII ebenda

Projekt: Vorratsdatenspeicherung

Ich habe vor einiger Zeit mal ein paar Seiten verfasst, die sich mit der aktuellen (Rechts-)Lage im Bereich der Vorratsdatenspeicherung auseinander setzen, bzw. einen Überblick darüber bieten sollen. Da ich keinen Sinn darin sehe, sie auf der Festplatte verotten zu lassen, werde ich sie hier sukzessive posten, auf dass es dem Schwarmbewusstsein etwas bringe... Für den Anfang erstmal die (gekürzte) Einleitung samt Gliederung...


Umfang und Grenzen der Vorratsdatenspeicherung (Moritz Borchardt)

„Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern, seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen. Den Polizei- oder Überwachungsstaat wollen wir nicht.“
- Ernst Benda, ehemaliger Präsident des Bundesverfassungsgerichts


Die Gefahr, die der Bundesinnenminister a. D. und ehemalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts Ernst Benda anspricht, ist die des Überwachungsstaates und damit verbunden auch des sogenannten 'Gläsernen Bürgers'. Die diesen beiden Schlagworten zugrunde liegende Kritik basiert auf der Furcht vor etwaigen Eingriffen in die (digitale) Intimsphäre der Menschen durch den Staat. Mit Inkrafttreten der sogenannten Vorratsdatenspeicherung sind diese Eingriffe um ein Wesentliches näher gerückt, da mit den 2007 verabschiedeten Rechtsgrundlagen zur Vorratsdatenspeicherung und den darauf verweisenden Normen Rechtsvehikel geschaffen wurden, die es erlauben im Rahmen der Verfolgung von Internetkriminalität Daten zu verwenden, deren bloße Speicherung von Vielen als grundrechtswidrig angesehen wird.

Die Gliederung wird dabei wie folgt aussehen:

1. Vorratsdatenspeicherung in der EU

2. Vorratsdatenspeicherung in Deutschland


- Inhalt und Umfang der Speicherung von Daten

- Kritik an der Vorratsdatenspeicherung

- Neuere Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts

3. Resümee und Ausblick

Freitag, 8. Mai 2009

Replik: Politiker, Journalisten ... (Jens Scholz)

Ich könnte hier jetzt über eine verrückte Woche, Atheisten in der Kirche, psychosomatische Magenprobleme und leckeren (9-)Kräutertee reden, dann endlich mal anfangen nicht nur via copy-paste zu bloggen in dem ich eine Rubrik wie 'es denkt' aufmache, aber stattdessen gibt es wie so oft nur einen Link zu Jens Scholz, der sich mal wieder sehr treffend seine Gedanken macht. Diesmal geht es um die Rolle von Blogs, Journalisten und bösem Politikern.

Der Artikel ist wirklich gut, auch wenn ich ihm in einem zentralen Punkt zumindest skeptisch gegenüberstehe.
Das Politiker-Bashing ist mir - mit Verlaub - zu platt. Das Internet, bzw. die Web-Szene ist im wesentlichen von den Millenials und Leuten bevölkert, die meist nicht mehr als 40 Lenze auf dem Buckel haben. Das sind/ist genau die Generation/-en, die das Web aufgebaut, bzw. es in seinem Werdegang begleitet haben (und das aufgrund eines damals noch ungewöhnlichen Interesse an IT), oder es im Falle von uns Millenials bereits vorgefunden und ganz selbstverständlich in den Alltag mit aufgenommen wurde (egal, ob wir ein spezielleres Interesse an der Technik dahinter haben). Für 'Uns' ist das Web also entweder ein selbstverständlicher Teil des Alltags, oder ein heißgeliebtes Hobby/Beruf (gewesen), was aber sowohl für die Politiker, als auch ihre Stäbe nicht, bzw. nur bedingt zutrifft.
Die aktuellen Politiker sind entweder einer Generation angehörig, für die diese Art von Technik etwas schlicht Unbekanntes gewesen und geblieben ist, von dem sie aber erwartet werden, es in einem gewissen Rahmen zu nutzen (naja ok, selbst das ist wohl fraglich, es gibt ja den Stab) es ihnen aber - mit wenigen Ausnahmen, etwa Tauss - letzten endes unverständlich geblieben ist. Jüngere Politiker mögen zwar in einem gewissen Maße mit dem Web in Verbindung gekommen sein, sie sind aber entweder noch in den Startlöchern der politischen Karriere, oder haben aber soviel Zeit auf ebenjene verbracht, dass sie die aktuelle und zukünftige Bedeutung des Webs - und damit verbunden der Bedeutung von Netzpolitik - im seltensten Falle angemessen hoch einschätzen.
Den ehesten Vorwurf kann man (zugegeben, neben Politikern aus den Generationen X und Y) den Stäben machen, da es ja gerade ihr Job ist die Politiker über wesentliche Vorgänge in der Gesellschaft auf dem Laufenden zu halten und dementsprechend diese auch (richtig!) zu beurteilen. Oben genanntes mag zwar auch auf die Stäbe zutreffen, aber a) We got to blame someone! und b) wie gesagt, es ist ihr Job genau das zu leisten, wozu sich die 'traditionellen Medien' zu fein und der Rest scheinbar nicht in der Lage ist: die Politiker, und damit den politischen Diskurs, auf dem neuesten Stand zu halten, punkt.

Samstag, 25. April 2009

Verdunkelung!

Am Mittwoch wurde von unserem lieben fast-noch-prä-Wahlkampf-Bundestag ja die so lange diskutierte (und von vielen aus der Welt gewünschte) Gesetzesentwurf zur Internetzensur verabschiedet. Zu dem Thema hat Jens Scholz einen sehr treffenden Artikel verfasst, den er ausdrücklich zum copy-paste-en bereitstell und der weiter unten zufinden ist. Das geniale an der Sache ist noch, dass vor etwas längerer Zeit sich noch SPD-Politiker über Ähnliches im Ausland mokiert haben, wie in einem der Kommentare zum Thema (irgendwie unauffindbar) zu lesen ist. Ansonsten brauch man die ganze Angelegenheit nicht weiter zu kommentieren, da man mit vernunftbegabtem Nachdenken, meiner Meinung nach, zwangsläufig auf der Seite der Zensurgegner rauskommt. Jetzt hab ichs doch kommentiert, na sowas aber auch...

Hier
noch ein schöner Artikel über die Reaktionen im Netz zu besagtem Unheil.


JENS SCHOLZ: Wenn es um Zensur geht

"Da reiben sich gerade so viele die Hände, daß man eigendlich ein beständiges Rauschen hören müsste. Die Idee, das Thema Kinderpornografie als Popanz vorzuschicken, um das nun geplante Internet-Zensursystem einzuführen war aber auch wirklich eine richtig gute. Hat das ja zuvor mit den Themen Terrorismus und Internet-Kriminalität nicht wirklich hingehauen, kann man hier spitzenmäßig mit dem Holzhammer wedeln und Kritiker einfachst diffamieren, indem man die eigentliche Kritik ignoriert und ihnen vorwirft, sie wollten die Verbreitung von Kinderpornografie schützen. Wie schnell schon der Vorwurf zum beruflichen und gesellschaftlichen Tod führen kann, zeigte man nur wenige Wochen zuvor ja schonmal anschaulich am Exempel Tauss (der übrigens natürlich nicht im Netz "erwischt" wurde, sondern über Handykontakte und DVDs per Post).
Aber ich schweife schon wieder - wie es durch die Wahl dieses Themas ja auch gewünscht ist - ab.
Denn das Problem, das die Kritiker haben, ist ja natürlich nicht, daß man den Zugang zu Kinderpornografie sperren will, sondern das Sperrinstrumentarium, das man dazu baut. Schaut man sich das an, merkt man schnell: Es geht nicht um Kinderpornos und wie man dagegen vorgeht. Ging es nie.
Es geht um die Installation eines generellen technischen Systems und die generelle Art und Weise, wie es betrieben wird: Es geht darum, daß eine waschechte, diesen Namen zu Recht tragende, Zensur ermöglicht wird. Auch wenn die zunächst gesperrten Websites tatsächlich nur Kinderpornografie beinhalten (was die Liste eigentlich extrem kurz halten müsste) wäre sowohl die Technik, die Verwaltung und sogar die Psychologie installiert, um sofort eine effektive Zensur betreiben zu können.

Technik
Die Provider sollen ihre Nameserver so umbauen, daß Webseiten, die das BKA aussucht und ihnen nennt, nicht erreichbar sind und dem Nutzer bei Aufruf stattdessen eine Sperrseite angezeigt wird. Gleichzeitig soll das BKA jederzeit abrufen könne, welche Nutzer auf Webseiten aus dieser Liste zugreifen wollten und stattdessen auf die Sperrseite geleitet wurden.
Ein normaler Internetnutzer, der seinen Nameserver nicht auf einen freien DNS-Server umstellt, sieht bestimmte Seiten nicht und erhält die Mitteilung, er wolle sich gerade Kinderpornografie ansehen. Ob das stimmt, weiß er nicht und nachprüfen darf er das auch nicht, da ja schon die Suche nach Kinderpornografie strafbar ist. Der Nutzer muss sich in diesem Moment weiterhin im Klaren sein, daß er gerade etwas getan hat, was das BKA als illegal ansieht und als Grund ansehen kann, gegen ihn vorzugehen.
Die allein schon technisch verursachten Risiken für jeden Internetnutzer sind immens, noch dazu, weil man damit auch noch eine perfide Beweisumkehr eingebaut hat: Sie müssen künftig ihre Unschuld beweisen, z.B. daß sie "versehentlich" die gesperrte Seite angesteuert haben. Viel Spaß beim Versuch, Richtern TinyUrls, iFrames, Rootkitangriffe, Hidden Scripting und so weiter zu erklären, wenn Sie überhaupt wissen, was das ist.
Die Lösung zunächst: Den Nameserver umstellen, um sich dieser Gefahr vollständig zu entziehen. Geht schnell und kann jeder.
Die Technik ist allerdings interessanterweise das kleinste Problem in dieser ganzen Geschichte. Es gibt Staaten, die in ihren Zensurbemühungen schon wesentlich weiter sind. Die Menschen dort können dennoch sowohl anonym als auch unzensiert das Internet benutzen. Das Internet ist von Nerds gebaut worden. Ein Staat kann da so viel fordern wie er will, er wird das Netz auf technischer Ebene never ever kontrollieren können.

Verwaltung
Hier liegen die springende Punkte, die das Ganze zum Zensurinstrument machen:
1. Die gesperrten Inhalte stehen auf einer Liste, die das BKA direkt und ohne Prüfungsinstanz erstellt und die die Provider möglichst ohne sie anzuschauen zu installieren haben. Es entscheidet kein Richter über den Inhalt, es überprüft keine unabhängige Institution über die Rechtmäßigkeit, es gibt keine Regelung, wie Adressen überhaupt wieder von der Liste gelöscht werden könnten. Die Polizei, die Verbrecher verfolgt, bestimmt, welcher Wunsch nach welcher Information ein Verbrechen ist. Vorab zu definieren, was ein Verbrechen ist und hinterher darüber zu entscheiden, ob ein Verbrechen begangen wurde ist aber nicht Aufgabe der Polizei.
2. Die Liste ist geheim. So lange diese Liste nicht in die Öffentlichkeit gerät kann alles drinstehen und nichts davon muss gerechtfertigt werden. Wer das in Frage stellt wird zum Verdächtigen. Wie Zensur in Reinform eben funktioniert.
3. Der Gesetzentwurf ist schwammig genug, daß das BKA im Prinzip alles in die Liste setzen kann. Da im Web jeder Inhalt nur einen Klick weiter vom letzten entfernt ist und das Gesetz möchte, daß auch "mittelbare" Seiten gesperrt werden können, kann somit de facto auch jede Seite gesperrt werden.
4. Das System soll die direkte Verfolgung von Zugriffen erlauben. es wird nicht nur gesperrt, sondern es kann auch nachgeschaut werden, wer sich die gesperrten Seiten ansehen will. Dies kann dann Anlass für verdeckte Überwachungen, Hausdurchsuchungen und andere existenzbedrohende Vorgänge sein.
Die Staatsanwälte dieses Landes üben ja seit einiger Zeit kräftig an der Vorverurteilungsfront, indem Sie inzwischen gerne mal Pressemitteilungen über eingeleitete Verfahren rausgeben und die Presse direkt zu möglichst spektakulär und öffentlichkeitswirksam inszenierten Verhaftungen mitnehmen (Zumwinkel, Tauss, Frau B.).

Psychologie
Womit wir schon beim gewünschten Effekt von Zensur sind: Die Einführung der Schere im Kopf. Die wirksame Selbstzensur, weil man nicht weiß, was eventuell passiert, wenn man zu laut und deutlich Kritik äußert. Die Geheimhaltung der Sperrliste und ihre völlige Unverbindlichkeit durch das Fehlen jeglicher Kontolle ist ein bewußt eingesetzes Instrument, um Verunsicherung zu erzeugen.
Ein anderes ist die Verknüpfung mit dem Thema Kinderpornografie, womit wir wieder am Beginn dieses Artikels wären. Man weiß ja inzwischen, daß auch nur der leiseste Ruch, man könnte eventuell irgendwas mit Kindesmissbrauch und Pädophilen zu tun haben, die Existenz vernichten kann, selbst wenn hinterher rauskommt, daß tatsächlich nichts an den Vorwürfen dran war. Wie nahezu generell nichts rauskommt. Das ist ein so extrem starkes und wirksames Druckmittel, was natürlich beispielsweise ein Herr Gorny sofort erkennt, weil sein Versuch, diese Schere im Kopf einzuführen (durch den Versuch, Filesharing als schreckliches Verbrechen zu diskriminieren), wirkungslos blieb und er sich nun an den besser funktionierenden Trigger dranhängt (indem er Urheberrechtsverletzung mit Kindesmissbrauch gleichsetzt).
Die Justizministerin gibt dann noch Tipps in die richtigen Richtungen, die natürlich prompt reagieren. Überhaupt, das mal ganz nebenbei, finde ich es immer wieder seltsam, daß Frau Zypries immer wieder als Warnerin vermittelt wird. Dabei war - so sagt sie zumindest - sie es, die den Gesetzentwurf gegenüber dem Vorabvertrag von Frau von der Leyen verschärfen ließ und dieser nun schon den Zugriff auf Stopp-Seiten verfolgen lassen will.

Um die Frage zu beantworten, warum und wann es in einer Gesellschaft überhaupt dazu kommen kann, daß ein Teil davon meint, einen solchen Eingriff vornehmen zu müssen und der andere Teil (zu dem ich u.a. mich zähle) darin ein so massives Unrecht sieht, das es zu bekämpfen gilt, kann man sich bitte den Artikel "Kampf der Kulturen" drüben bei netzpolitik.org durchlesen."

Dienstag, 21. April 2009

De:Bug - Artikel über Popkultur

Das De:Bug-Magazin hat ein wirklich bemerkenswertes Interview zum Thema Popkultur und -diskussion mit einer illustren Schar an Leuten, darunter ein Schriftsteller, ein ehemaliger Techno-DJ, ein A-Blogger und andere veröffentlicht. Sehr lesenswert, sehr sehr lesenswert. Link

Samstag, 18. April 2009

Noch'n Tipp

Ich bin gerade auf diesen Artikel {link} gestoßen, der berichtet, wie der Hack der Time 100 - online Wahl durch die Damen(?) und Herren von 4chan zustande gekommen ist, der in der letzten Zeit durch die Medien lief. Sehr interessant.

Montag, 24. November 2008

Wenn man schon zum Rest zu faul ist...

... kann man auch mal endlich die ganzen tollen Links posten in dem Blog (das Blog??? egal.) den man so arg so lange vernachlässigt hat...

Da ich hier ja eh nur Dinge von Anderswo poste, die ich irgendwie für verbreitenswürdig halte, wie immer das übliche Schema von Link + 'weilichstollfind'.

Zum einen ist da ein wirklich guter Artikel darüber, ob man die USA, ähnlich der französischen Republiken, auch zeitlich ebensolche einteilen kann. Dehydriert wie ich bin, wollte ich jetzt noch den Spruch bringen, dass die Amis es nicht abkönnen, dass die Franzosen mehr demokratische Regierungssysteme hatten als sie und deswegen da jetzt wenigstens theoretisch aufholen wollen, aber das lass ich lieber. Der Artikel ist wie gesagt hoch interessant.

Wenn ich an Youtube denke, ist meine erste Assoziation sicherlich nicht Heinz Rühmann, aber da die gefundene Darbietung schlicht zu gut ist im sie unerwähnt zu lassen, hier der Link zu einem denkwürdigen Auftritt des Herren im hohen Alter.

Worüber ich ebenfalls noch gestolpert bin ist ein wirklich klasse gemachter Star Trek-Fanfilm namens 'Of Gods and Men' (nicht zu verwechseln mit 'Gods and Generals' und 'Of Gods and Monsters' auch wenn beide natürlich großes Kino sind). Storyline ist, dass Chekov und Uhura samt Harriman (der in 'Generations' einen mehr als undankbaren Auftritt als Captain der Enterprise-B hatte) in ein (das?) Spiegeluniversum gebracht werden und dafür sorgen müssen, dass alles wieder so normal wird, wie es eben bei Star Trek möglich ist. Link

Ebenfalls erwähnenswert (wieviele synonyme Phrasen für 'ichfindstoll'/'Ansehen!' o.ä. gibbet egentlich zum dreschen?) ist die Seite von Jeff Bridges und da insbesondere das 'Making of Iron Man' -Album. Tolle Bilder, punkt.

Kommen wir nun zu einem wirklich schönen kleinen Kurzfilm in Zombiesetting namens 'I love Sarah Jane', der, nunja, ich find den gut! Wirklich gut. Bitte gucken!

Ebenso ansprechend, wenn auch wesentlich künstlerischer/ästhetischer ist die neue 'Light Art Performance Photography'. Artikel auf Nerdcore, Link

So, nach einem Monat Abstinenz wars das mal wieder, aber ich werd zusehen, dass demnächst wieder regelmäßiger was kommt.

m.

Montag, 15. September 2008

Autos und zockende Rentner

Ich gebs ja gerne zu, dass ich viel zu oft zeigenswerte Dinge finde, die ich hier zumindest verlinken sollte, aber naja, finally it is soweit... Als ich mich eben so gemütlich durch Spiegel-Online las, bin ich eher ungezielt auf zwei Artikel gestoßen, die ich hoch interessant finde.
Zunächst ist da eine spannende Fotoserie samt Einestages-Artikel über die Autoprototypen vergangener Jahre, bei der man mal sieht, was schon vor zig Jahren angedacht wurde, die erst heute zum Standart geworden sind oder im Werden begriffen sind, so etwa ein Auto aus den 50ern, bei dem ein mobiles Radar beständig die Straße vor dem Auto scannte. Was allerdings auffällt, wenn man mal auf die Bildquelle(-n) achtet ist, dass samt und sämtliche Bilder aus ein und demselben Buch stammen. Also war da entweder jemand leicht unkreativ, sehr unkreativ, oder will einfach nur (s-)ein Buch verkaufen, an dem er mitgearbeitet hat. Nunja. Ich halte Einestages ja teilweise durchaus für ein interessantes Projekt, aber manche Dinge sind dabei doch gelegentlich hinterfragenswürdig, meiner Meinung nach.

Der zweite Artikel (auch vom Spiegel) ist eine höchstunterhaltsame Mitschrift eines Nachmittages, an dem zwei Rentnerehepaare sich am Nintendo-Wii versuchen und dabei nicht nur selbst großen Spaß haben, sondern diesen auch dem geneigten Leser bei der Verköstigung der Mitschrift haben lassen. Die anderen Rentnerkompetenzteam-Artikel werde ich mir wohl ausgedruckt auf die morgige Fahrt mitnehmen.

So far for now...
M.